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Feinmotorik durch Ausmalen: einfache Übungen nach Alter

Wie Ausmalen die Feinmotorik fördert, mit zehn einfachen Übungen für 2 bis 7 Jahre: große Formen, Tupfen, Umrisse nachfahren, an der Wand malen, eigene Fotos.

5 Min. Lesezeit#feinmotorik#kindliche entwicklung#beschäftigung#kindergarten#kinder

Ausmalen fördert die Feinmotorik, weil die kleinen Muskeln von Hand und Fingern greifen, drücken, lenken und anhalten müssen, und das hunderte Male auf einem einzigen Blatt, während die Augen die Hand zur Linie führen. Kurze, regelmäßige Einheiten von fünf bis fünfzehn Minuten mit dem richtigen Blatt und dem richtigen Stift für das Alter bringen mehr als lange Einheiten mit dem falschen. Die Übungen unten machen aus einem ganz normalen Ausmalbild gezieltes Training, ohne dass das Kind es merkt.

Welche feinmotorischen Fähigkeiten nutzt Ausmalen eigentlich?

  • Greifen: den Stift halten, vom Faustgriff hin zum Dreipunktgriff.
  • Druckdosierung: fest genug drücken, damit eine Spur entsteht, und sanft genug, damit das Blatt nicht reißt.
  • Trennung von Handgelenk und Fingern: die Finger bewegen, während Handgelenk und Arm ruhig bleiben, die Grundlage für das Schreiben.
  • Beidhändige Koordination: Eine Hand malt, die andere hält das Blatt.
  • Auge-Hand-Koordination: auf eine Linie zusteuern und an ihr anhalten.
  • Ausdauer: Die Handmuskeln kleiner Kinder ermüden schnell und werden durch regelmäßige, kurze Nutzung kräftiger.

Dieser Ratgeber ersetzt nicht den Rat einer Ergotherapeutin oder eines Ergotherapeuten. Wenn du dir Sorgen um die Handentwicklung deines Kindes machst, sind sie die richtigen Ansprechpartner, und auch die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann weiterhelfen.

Kurz und knapp: was in welchem Alter passt

  • 2 bis 3 Jahre: dicke Wachsmalblöcke oder eiförmige Wachsmaler, Blätter mit ein oder zwei sehr großen Formen, Einheiten von fünf Minuten.
  • 3 bis 4 Jahre: dicke dreikantige Wachsmalstifte oder Jumbo-Buntstifte, Bilder der Stufe Einfach mit dicken Linien, Einheiten von fünf bis zehn Minuten.
  • 4 bis 5 Jahre: normale Wachsmalstifte und dicke Buntstifte, Bilder der Stufe Einfach bis Mittel, Einheiten von zehn Minuten.
  • 5 bis 7 Jahre: normale Buntstifte und feine Filzstifte, Bilder der Stufe Mittel, Einheiten von zehn bis fünfzehn Minuten.

Zehn Übungen mit Ausmalbildern, die die Feinmotorik stärken

1. Große Form füllen (2 bis 3 Jahre)

Druck ein Blatt mit einer einzigen riesigen Form aus, etwa einem Kreis, einem Stern oder dem Umriss des Familienhundes in der Stufe Einfach. Das einzige Ziel ist, Farbe in die Form zu bringen. Klebe das Blatt am Tisch fest, damit das Kind den Stift mit beiden Händen halten kann, wenn es möchte.

2. Mit kurzen Wachsmalstiften üben (2 bis 4 Jahre)

Brich Wachsmalstifte in Stücke von 3 bis 4 cm. Einen kurzen Stift kann man kaum in der Faust halten, also wechseln die Finger ganz von selbst in den Pinzettengriff.

3. Mit Tupfen ausmalen (3 bis 4 Jahre)

Bitte das Kind, eine Fläche mit Tupfen statt mit Strichen zu füllen. Jeder Tupfen ist ein kleines Drücken und Abheben, und das trainiert Druckdosierung und Fingerbeweglichkeit.

4. An der Wand ausmalen (3 bis 5 Jahre)

Klebe ein Blatt auf Schulterhöhe an die Wand, den Kühlschrank oder eine Staffelei. Auf einer senkrechten Fläche liegt das Handgelenk in der gestreckten Haltung, die man zum Schreiben braucht, und die Schulter- und Armmuskeln, die die Hand stabilisieren, arbeiten mit.

5. Umrisse nachfahren (4 bis 5 Jahre)

Bevor das Kind eine Fläche füllt, fährt es mit einer Kontrastfarbe knapp innerhalb der schwarzen Linie entlang. Eine Kurve langsam nachzufahren ist Auge-Hand-Koordination in Reinform. Bilder der Stufe Mittel mit geraden und runden Linien eignen sich gut.

6. Der Richtung folgen (4 bis 6 Jahre)

Gib für jede Fläche eine Regel vor: Streifen nach unten auf dem Pullover, kleine Kreise auf den Wangen, Zickzack auf dem Gras. Auf Ansage die Richtung zu wechseln stärkt die Fingerkontrolle.

7. Stift halten mit zwei geparkten Fingern (4 bis 6 Jahre)

Lass das Kind einen kleinen Pompon oder ein zerknülltes Taschentuch mit Ringfinger und kleinem Finger festhalten, während es mit den anderen drei Fingern malt. So arbeiten die Finger des Dreipunktgriffs zusammen, und die anderen sind aus dem Weg.

8. Kleine Flächen zuerst (5 bis 7 Jahre)

Nimm ein Bild der Stufe Mittel und bitte das Kind, zuerst die kleinsten Flächen auszumalen: Augen, Knöpfe, die Hundemarke am Halsband. Genaues Arbeiten auf kleinem Raum ist die nächste Stufe nach dem Füllen großer Flächen.

9. Hell und dunkel (5 bis 7 Jahre)

Male dieselbe Form zweimal aus: einmal so hell wie möglich, einmal so dunkel wie möglich, und dann einen Verlauf vom einen zum anderen. So wird Druckdosierung sichtbar.

10. Ausmalen, ausschneiden, aufkleben (5 bis 7 Jahre)

Mal ein Bild aus, schneide das Hauptmotiv mit einer Kinderschere aus und klebe es auf einen farbigen Hintergrund.

Spielt das Motiv eine Rolle?

Mehr, als man denkt. Ein Kind, das sein eigenes Gesicht, die Oma oder die eigene Katze ausmalt, bleibt länger am Tisch sitzen und arbeitet sorgfältiger als eines, das eine beliebige Comicfigur ausmalt. Persönliche Ausmalbilder helfen besonders Kindern, die keine Lust aufs Ausmalen haben, denn die Motivation ist schon eingebaut. Mit Coolorio kannst du ein Familien- oder Haustierfoto in ein Ausmalbild umwandeln: in der Stufe Einfach mit dicken Linien für die Jüngsten oder in der Stufe Mittel für Schulkinder, auf Wunsch mit dem Namen des Kindes.

Probier es mit deinem eigenen Foto

Such ein klares Foto von jemandem aus, den dein Kind lieb hat, wähl die Stufe Einfach für 2 bis 5 Jahre oder Mittel für 5 bis 7 Jahre, druck es auf etwas stabileres Papier mit 100 bis 120 g/m² und probier im Lauf einer Woche zwei oder drei der Übungen oben aus. Schau dir an, wie es funktioniert. Warum Ausmalen so hilft, erklärt unser Ratgeber zu den Vorteilen des Ausmalens für die kindliche Entwicklung ausführlicher. Welche Stifte zu welchem Alter passen, steht in unserem Ratgeber zu den besten Malstiften nach Alter.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter sollte ein Kind innerhalb der Linien ausmalen können?

Die meisten Kinder bleiben zwischen 4 und 5 Jahren ungefähr innerhalb großer Formen und schaffen kleinere Flächen zwischen 5 und 7 Jahren. Davor ist es normal, über die Linien zu malen, und kein Grund zur Sorge. Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell, und auch die Lust am Ausmalen ist verschieden. Sieh diese Angaben also als grobe Spannen, nicht als Ziele.

Ist Ausmalen besser als freies Malen für die Feinmotorik?

Beides trainiert etwas andere Dinge, und zusammen wirken sie am besten. Ausmalen stärkt Druckdosierung, Ausdauer und die Fähigkeit, auf eine Linie zuzusteuern und an ihr anzuhalten. Freies Malen stärkt Planung und das Formen von Figuren. Ein paar Minuten von beidem, mehrmals pro Woche, sind für Kindergartenkinder eine gute Mischung.

Wie lange sollte ein Kleinkind am Stück ausmalen?

Etwa fünf Minuten konzentriertes Ausmalen reichen für ein Kind von 2 bis 3 Jahren völlig, zehn Minuten für ein Kind von 3 bis 4 Jahren. Die Handmuskeln ermüden in diesem Alter schnell. Hör auf, solange es dem Kind noch Spaß macht, und biete später am Tag lieber noch eine kurze Runde an, statt weiterzumachen.

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