Ausmalen sieht aus wie eine Beschäftigung, die Kinder ruhig hält, und das ist es auch. Aber schau einer Vierjährigen eine Weile über die Schulter, und du siehst, wie viel dabei passiert: Eine Hand lernt, ein Werkzeug zu halten, ein Handgelenk lernt, sich ruhig zu halten, und ein Kopf entscheidet, wo das Blau hinkommt, und bleibt dran, bis das Bild fertig ist. Nichts davon muss man beibringen. Es braucht nur das passende Ausmalbild, ordentliche Stifte und ein bisschen Freiraum.
Dieser Ratgeber beschreibt, was Ausmalen bei Kindern vom Kleinkindalter bis in die ersten Schuljahre fördert, so wie Eltern, Erzieherinnen, Lehrkräfte und Ergotherapeutinnen es häufig beobachten. Dazu gibt es für jeden Bereich praktische Tipps, ohne dass Ausmalen zur Hausaufgabe wird.
Handkraft und Stifthaltung
Einen Wachsmalstift halten und aufs Papier drücken trainiert die kleinen Muskeln in Hand und Fingern. Über Monate wechseln Kinder vom Faustgriff zum Dreipunktgriff, also zu genau dem Griff, mit dem sie später schreiben. Ausmalen liefert für diesen Übergang Tausende Wiederholungen, ganz ohne Druck.
So kannst du helfen:
- Kleinkinder kommen mit dicken Wachsmalstiften oder kurzen, abgebrochenen Stücken besser zurecht, denn die führen ganz von selbst zum Fingergriff.
- Senkrechte Flächen helfen. Klebe ein Blatt an die Wand oder an eine Staffelei, damit das Handgelenk leicht nach oben abknickt.
- Korrigiere die Stifthaltung nicht ständig. Gib das passende Werkzeug und lass die Hand ihren Weg finden.
Unser Ratgeber zu den besten Malstiften nach Alter ordnet Wachsmalstifte, Buntstifte und Filzstifte den einzelnen Altersstufen zu.
Auge-Hand-Koordination und Kontrolle
Innerhalb einer Linie zu bleiben heißt: Die Augen führen die Hand, und die Hand reagiert mit kleinen Korrekturen. Am Anfang kritzeln Kinder über das ganze Blatt. Später zielen sie auf Flächen, dann auf Ränder. Diese Entwicklung sieht man den Bildern selbst an, und das ist ein guter Grund, aus jedem Jahr ein paar aufzuheben.
So kannst du helfen:
- Fang mit großen Formen und dicken Umrissen an und geh erst zu feineren Details über, wenn das Kind so weit ist. Bilder in der Stufe Einfach passen zu Zwei- bis Vierjährigen, Bilder in der Stufe Mittel zu Fünf- bis Achtjährigen.
- Lobe Einsatz und Entscheidungen statt Ordentlichkeit: "Du hast den ganzen Baum grün gemacht."
- Mal nie "für" das Kind, damit es schöner aussieht. Die krakelige Version ist die, die etwas bewirkt.
Aufmerksamkeit und Durchhalten
Ein Ausmalbild hat einen klaren Anfang und ein klares Ende. So lernt ein Kind, bei einer Sache zu bleiben, bis sie fertig ist. Die Zeit wächst von allein: Eine Zweijährige hält vielleicht drei Minuten durch, ein Sechsjähriger dreißig. Das Gefühl, ein Bild fertig zu haben, es hochzuhalten und am Kühlschrank hängen zu sehen, ist eine kleine, aber echte Erfahrung von "geschafft".
So kannst du helfen:
- Wähle das Bild passend zur Ausdauer. Ein zu detailliertes Bild wird liegen gelassen, und das lehrt genau das Gegenteil.
- Lass das Kind aufhören, wann es will. Fertig werden soll sich wie seine eigene Leistung anfühlen, nicht wie deine Vorgabe.
- Lieber kurz und oft als lang und selten.
Farben erkennen und benennen
Beim Ausmalen lernen und benutzen viele Kinder ihre ersten Farbwörter, und sie fangen an, Abstufungen zu bemerken: hellblau, dunkelblau, "das Blau wie Papas Auto". Wer beim Malen redet, erweitert außerdem den Wortschatz für alles, was auf dem Bild zu sehen ist.
So kannst du helfen:
- Nenn die Farben, wenn das Kind sie nimmt, ohne abzufragen.
- Ein Ausmalbild aus Foto der eigenen Familie eignet sich hier besonders gut, weil das Kind die echten Farben schon kennt und dir davon erzählt: "Omas Strickjacke ist lila."
- Eine kleine Farbhilfe auf dem Blatt mit den echten Farben aus dem Foto gibt dem Kind etwas zum Vergleichen, wenn es möchte, und lässt sich genauso gut ignorieren.
Entscheidungen treffen und Selbstvertrauen
Jede Fläche auf einem Ausmalbild ist eine kleine Entscheidung: welche Farbe, wie fest drücken, ob sie weiß bleibt. Kinder, die diese Entscheidungen frei treffen dürfen, werden meist sicherer in dem, was sie tun. Kinder, die oft korrigiert werden, fragen bald vor jedem Strich: "Ist das richtig so?"
So kannst du helfen:
- Es gibt keine falsche Farbe. Ein lila Hund ist ein Hund.
- Häng fertige Bilder dort auf, wo Besuch sie sieht.
- Bitte das Kind, dir von seinem Bild zu erzählen, statt es pauschal zu loben.
Ruhe und Selbstregulation
Viele Eltern merken, dass Ausmalen ein Kind nach Kita oder Schule, vor dem Schlafengehen oder im Auto zur Ruhe bringt. Die gleichmäßige Bewegung und der enge Fokus geben einem reizüberfluteten Kind etwas, woran es sich festhalten kann. Gegen einen Wutanfall ist es kein Heilmittel, aber ein Blatt und eine Dose Wachsmalstifte im richtigen Moment verhindern oft einen.
So kannst du helfen:
- Leg ein paar Ausmalbilder und Stifte in eine Schublade auf Kinderhöhe, die das Kind ohne zu fragen öffnen darf.
- Verbinde Ausmalen mit einem ruhigen Ritual: nach dem Baden, vor der Gutenachtgeschichte.
- Mal ab und zu mit. Kinder regulieren sich zum Teil, indem sie sich nach dem Erwachsenen neben sich richten.
Soziale Fähigkeiten
Wer mit Geschwistern oder anderen Kindern am Tisch malt, teilt Stifte, wartet auf das Rot, bewundert das Bild der anderen und muss damit klarkommen, dass die Freundin zuerst fertig war. Kleine Situationen, aber echte.
So kannst du helfen:
- Stell gemeinsame Stiftebecher auf den Tisch statt einzelner Sets.
- Druck dasselbe Bild für mehrere Kinder, damit sie vergleichen und darüber reden können.
Damit es Spaß bleibt
All diese Fähigkeiten entwickeln sich, weil Kinder gern ausmalen, nicht weil sie trainiert werden. Sobald es sich wie eine Übung anfühlt, verpufft der Nutzen. Die Regeln sind einfach: der passende Detailgrad, Stifte, die funktionieren, Bilder, die das Kind interessieren (seine Familie, sein Haustier, sein Lieblingstier), und ein Erwachsener, der sich interessiert, aber nicht bestimmt.
Probier es mit deinem eigenen Foto
Ein Bild der eigenen Familie oder des eigenen Haustiers ist oft das, an dem ein Kind am längsten sitzt. Wenn du ein Foto in Ausmalbild umwandeln willst: Coolorio macht aus Fotos druckbare Ausmalbilder in vier Detailstufen, in A4, US Letter oder A3, mit Name und Alter des Kindes und einer kleinen Farbhilfe. Schau dir an, wie es funktioniert, oder fang mit den Formen, Buchstaben und Zahlen für die Kleinsten bei den kostenlosen Ausmalbildern an.
Probier es mit deinem eigenen Foto
Aus einem Handyfoto wird ein Ausmalbild, das deiner Familie ähnlich sieht. Das erste ist gratis.
Gratis-Ausmalbild erstellen